Posted by Anja Schmitz on 2/5/2005, 10:01 am, in reply to "Baden-Wuerttemberg, suchen Schule fuer Selina" es ist die gleiche Geschichte, die wir auch zur Zeit erleben. Mein Sohn Tom ist 9 Jahre alt und besucht die Schule für Körperbehinderte. Er ist teilweise Rollstuhlfahrer, Hemiparese links, Ataxie und eine Spastik behindern ihn. Dazu kommt eine Inkontinenz des Darmes und ein Tremor in beiden Armen. Geistig ist er sehr intelligent, normal entwickelt, wird aber nicht so beschult :-(((( Die KB-Schule beschult ihn nicht wie ein Regel-Grundschuklkind, er darf zum Beispiel nicht am Computer arbeiten, zuwenig Zeit für :-( Und so weiter und sofort. Integration in der Regelschule ist aus den gleichen von Ihnen berichteten Punkten gescheitert. Wir versuchen es nun mit außerschulischer Förderung, haben aber auch da noch nichts adäquates gefunden. Wir sind mit unserem Latein am Ende, die Lehrer sind froh, wenn wir Ruhe geben und Schulamt, SPZ und Therapeuten wissen auch keinen Rat mehr. Vielleicht meldet ihr euch mal bei uns zwecks Erfahrungsaustausches? Viele liebe Grüße, viel Kraft und Ausdauer wünscht Familie Schmitz --Previous Message--
213.23.209.170
Hallo,
: : wir wenden uns mit diesem Schreiben an Sie,
: weil wir hoffen, daß Sie uns in einer
: schwierigen Angelegenheit weiterhelfen
: können.
:
: Wir sind Eltern zweier Kinder, wobei eines
: davon seit Geburt an Spina bifida und
: Hydorcphalus leidet und dadurch vermutlich
: ihr Lebenlang an den Rollstuhl gebunden ist.
:
: Unsere kleine Tochter Selina ist jetzt
: Mittlerweile 10 Jahre alt, und auch wenn sie
: an ihrer Situation leidet, ein munteres und
: aufgewecktes Kind, das sich nichts
: sehnlicheres wünscht als in einer normalen
: Atmosphäre aufzuwachsen und nicht wie ein
: Mensch zweiter Klasse behandelt zu werden.
:
: Und genau dieser Zustand bereitet uns nun
: diese Schwierigkeiten.
:
: Wir, das heisst mein Mann und ich wollen,
: dass unsere Tochter sich nicht
: ausgeschlossen vorkommt, sondern eine aktive
: Rolle in ihrer Umwelt wahrnimmt. Wir wollen
: das Einfachste auf dieser Welt für unsere
: Kleine. Selina soll sich nicht
: ausgeschlossen vorkommen, sondern von Ihrer
: Umwelt so akzeptiert werden wie sie ist, ein
: ganz normales kleines Mädchen, eben ganz
: Normal! Auch mit Behinderung!
:
: Ein Schritt dazu war, dass wir versucht
: haben sie am Unterrichtsgeschehen auf einer
: normalen Regelschule zu integrieren. Leider
: sind in der heutigen Zeit nicht alle
: Mitmenschen gegenüber Benachteiligten
: (Behinderten) aufgeschlossen, und so mußten
: wir miterleben, wie unser Kind auf dieser
: Schule, unter ihren Lehrern bzw. Schulleiter
: gelitten hat: z.B. durfte Selina ihren
: Rollstuhl nicht mit in die Klasse nehmen,
: sondern mußte diesen vor der Tür stehen
: lassen!
: Dadurch war sie in Ihrer Bewegungsfreiheit
: eingeschränkt und mußte Aufgaben an der
: Tafel erledigen. Die Tafel konnte Sie
: natürlich nur durch krabbeln wie ein
: Kleinkind erreichen; dass Aufsehen bei den
: Mitschülern bewirkte und Selina selbst sich
: minderwertig vorkam.
: Ob Ihre Malkiste von der Lehrerin auf die
: höchste Stelle ins Regal gestellt wurde und
: Selina diese dann nicht selbst holen konnte,
: oder unsere kleine Tochter sich in die Hosen
: machen musste, da so die Aussage der
: Lehrerin „Ihr geht das zu lange mit dem
: Toilettengang, dafür ist keine Zeit"
: ist ja ganz klar, dass Selina länger zu der
: Toilette brauchte als andere Kinder, sie
: musste schließlich um an dieses Örtchen zu
: gelangen einige Stufen hoch krabbeln oder
: jemand hätte sie dorthin tragen müssen.
: Das sind nur zwei von vielen Beispielen die
: Selina und wir erlebt haben.
:
: Aus diesen vielen Gründen heraus nahmen wir
: unsere Tochter auch auf Anraten v. Herrn
: Laue (Sozialarbeiter d. Stadt Karlsruhe)
: nach einem halben Jahr von der Schule.
:
: Schlimm genug, dass Selina nur die
: Grundschule besuchen durfte, weil wir einen
: Anwalt eingeschaltet haben und dieser
: Widerspruch eingelegt hat.
:
: Wir wissen wohl als Eltern am allerbesten,
: dass man mit dieser Behinderung anders
: umgehen muss als mit einem alltäglichen
: Heuschnupfen. Aber die Art und Weise wie
: unsere kleine Tochter behandelt wurde bzw.
: wie alleingelassen sie und auch wir wurden,
: ist wohl bezeichnend für unsere
: Gesellschaft. Wir möchten, mit diesem Brief
: weder über die Ungerechtigkeiten auf dieser
: Welt, noch im einzelnen Aufzählen, was
: unsere kleine Tochter erleben musste. Aber
: wir möchten von ganzem Herzen für unsere
: Tochter das sie in einer Umgebung
: aufwächst, in der sie sich wohl fühlt und
: das Gefühl bekommt ein vollwertiges
: Mitglied unserer Gesellschaft zu sein.
:
: Leider ist es so, dass wir unseren bisher
: vergeblichen Versuchen zum Trotz nun vom
: Schulamt die Aufforderung bekommen haben,
: unsere Tochter auf eine Behindertenschule in
: Langensteinbach einzuschulen. Wir sind
: völlig verzweifelt, weil wir glauben, dass
: diese Art Schule für unsere Tochter absolut
: nicht das Richtige sein wird. Wir wollen
: damit nicht den Anschein erwecken, dass
: diese Schule generell schlecht sei, aber wir
: denken, als Eltern, dass sich unser Kind
: dort nicht innerhalb ihrer Möglichkeiten
: entwickeln kann.
:
: Selina ist körperbehindert, Sie müssen
: sich das so vorstellen: sie kann soweit sie
: sich irgendwo festhalten kann gehen, für
: alles andere hat sie den Rollstuhl oder den
: Rollator.
: Unsere kleine ist nicht geistigbehindert. IN
: dieser Schule werden die Kinder zur
: Selbständigkeit erzogen, dass ist bei
: Selina überhaupt nicht nötig. Sie sollten
: Sie mal erleben, ein kleiner Wirbelwind ohne
: Gleichen!!!
:
: Bitte haben Sie Verständnis dafür, dass
: wir unsere Bedenken äußern.
:
: Was wir möchten, ist eine Aufnahme und
: Integration unseres Kindes in einer
: Regelschule. Nach unserem Wissen gibt es
: auch gewisse Integrationsmöglichkeiten,
: für behinderte Kinder, die allerdings auf
: unseren Fall deshalb nicht anwendbar sind,
: weil unter anderem als Voraussetzung eine
: Mindestklassengrösse von 4-5 Kindern
: vorgeschrieben ist.
:
: Bei Anfragen an diversen Schulen z.B.
: Anne-Frank-Schule in Busenbach, kann Selina
: in so eine Integrationsklasse nicht
: aufgenommen werden, wegen Mehraufwand
: (Rollstuhl).In der Gartenschule ist die
: Klasse mit 4 behinderten Kindern (Down
: Syndrom) vollbesetzt..
:
: Uns lag zuerst eine Zusage der Schule in
: Busenbach vor, unsere Tochter hat sich schon
: sehr darauf gefreut endlich die Schule
: besuchen zu drüfen. Sie können sich
: vorstellen bei solchen Aussagen verliert man
: den Glauben an die Gesellschaft.
:
: Unsere Tochter kann nichts für Ihre
: Behinderung, aber die Gesellschaft kann
: etwas dafür, dass Selina minderwertig
: behandelt wird.
:
: Wir hoffen auf Ihre Unterstützung und
: warten auf Ihre Antwort, vielleicht fällt
: Ihnen noch was ein was wir unternehmen und
: an wen wir uns noch wenden können.
:
: Auch wenn es für Sie schwierig erscheint
: uns in dieser Sache zu unterstützen,
: möchten wir zum Schluss noch erwähnen,
: dass es sich hier nicht um irgendeinen
: Gegenstand handelt, sondern um das Leben
: eines Menschen.
:
: Wir verbleiben als noch immer hoffnungsvolle
: Eltern.
:
:
:
: Yvonne und Heiko Frasch
:
:
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