Posted by Franz Josef Neffe on 5/20/2006, 11:28 am, in reply to "Suche Hilfe für meinen Sohn"
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Der bezahlte Pädagogikprofi ist der Lehrer und es mutet immer stark satirisch an, wenn der bezahlte Profi vom unbezahlten Laien verlangt, dass dieser die Probleme lösen soll, die er selber nicht lösen kann.
Wenn Kinder mit den Eltern oder dem Lehrer "bockig" sind, frage ich mich immer (und manchmal auch den betroffenen Erwachsenen), was wohl diese Mutter oder dieser Lehrer denken und tun würden, wenn ihr Chef so mit ihnen umgegangen wäre wie sie gerade mit dem Kind. Die Antwort: Sie wären noch viel aufgebrachter über ihren Chef als es das Kind gerade über sie ist.
Fazit: "Bockigsein" ist i.d.R. ein Warnsignal für den Erzieher, dass er wieder einmal und immer noch ErZIEHung mit ErDRÜCKung verwechselt hat und schleunigst dazulernen sollte, wenn er das Propblem nicht bald noch größer präsentiert bekommen will.
Es könnte sein, dass die Lehrerin - als Lernzielvollstreckungsbeamtin - ihrem Sohn eine Unterwerfungssituation nach der anderen bereitet. Ihre Aufgabe als Pädagogin wäre an sich gerade umgekehrt: der Situation eine neue, konstruktive Bedeutung zu geben und die Einübung von Unterwerfung und Ohnmacht aufzulösen.
Womöglich ist sie aber selbst noch in dieser Problematik befangen und kann Ihrem Sohn nicht helfen, weil sie sich selbst nicht helfen kann. Wenn sich sonst niemand findet, bleibt Ihnen die Aufgabe, Ihrem Kind die Grundlagen seiner Souveränität zu zeigen.
Es muss nicht jede Anordnung der Lehrerin als persönliche Beleidigung auffassen. Er muss die Aufgabe keineswegs für die Lehrerin erledigen, er kann es ja auch zu seinem eigenen Vorteil tun: damit er in Mathe + Schreiben + Lesen topfit ist und in SEINEM Leben Erfolg hat und bewundert wird und sich alles erschließen kann, was er will.
Wenn er dabei durch sein gutes Training plötztlich merkt, dass er schneller Kopfrechnen kann als die Lehrerin (was gar nicht selten vorkommt aber eben selten bemerkt wird), dann wird es interessant. Dann kann er nämlich einmal konkret fühlen, wie das ist, wenn man WICHTIG ist.
Bocken ist ja nichts anderes als ein künstlicher und ziemlich dummer Versuch, sich Wichtigkeit zu beschaffen .... und genau dadurch VERLIERT man sie.
So, und jetzt können Sie Ihrem Sohn das Angebot machen: "Ich zeige Dir, wie Du wirklich wichtig wirst." Dazu muss man sich von Äußerlichkeiten lösen und IN SICH seine TALENTE aufspüren: das Schreibtalent, das Lesetalent, das Rechentalent, das Persönlichkeitstalent und die vielen tausend weiteren, eins nach dem anderen. Dann muss man die Beziehung zu seinen Talenten pflegen, denn die sind ja zunächst noch Babys. Aber sie wachsen - und man selbst mit ihnen - wenn man sich um sie kümmert und sie hoch schätzt und fordert.
Wenn Ihr Sohn 1/2 Jahr seine Talente pflegt, dann kann er besser mit sich umgehen als die meisten Lehrer mit sich selbst. Sie helfen, indem sie sich für seine Erfolge mit sich interessieren: "Was sagen Deine Mathefähigkeiten heute zu Dir? Wieviel sind sie seit letzter Woche gewachsen? Wie fühlen sie sich unter den Mathetalenten Deiner (nichtsahnenden) Mitschüler? ....." oder: "Wie fühlen sich Deine Gentleman-Kräfte? Wie fühlen Sie sich, wenn sie gütig Deiner Lehrerin einen Fehler verziehen haben? Interessieren sie sich für die guten Fähigkeiten in Deiner Lehrerin? Was ist ihre Botschaft an die guten Talente in der Lehrerin? ....."
Wenn Sie diesen feinen, nie mit Druck arbeitenden sondern stets nach ZUG-Kräften schauenden Stil der neuen Ich-kann-Schule als wirksam erprobt haben, dann können Sie sich auch einmal nachts an das Bett Ihres Sohnes setzen und seinem Geist als Angebot die Entfaltung einer möglichen guten Entwicklung schildern. Meiden Sie aber die Manipulation und bleiben Sie auf der Angebotsseite! Wenn Ihr Angebot gut überlegt und an der Realität des Lebens ausgerichtet ist, dann ist es anZIEHend genug. (Zu Schlafsuggestion finden Sie in Emile Coués "Selbstbemeisterung durch bewusste Autosuggestion" mehr).
Wenn es bei Ihnen zu Hause GUT geht und in der Schule nicht, dann fehlt der Schule und den Pädagogen einfach viel, viel GÜTE.
Machen Sie in Gedanken einen Riesenluftballon voll mit 1000 Tonnen Güte und noch mehr und schicken sie ihn an alle in der Schule! Und warten Sie vergnügt, was passiert!
Mit herzlichen Grüßen
Franz Josef Neffe
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